BSA Spitzenkandidatin Miriam Hufgard-Leitner

 

 

Unsere BSA-Spitzenkandidatin für die Nationalratswahlen Miriam Hufgard-Leitner kandidiert auf Listenplatz 25 der SPÖ. Mit ihr schicken wir eine motivierte, junge Ärztin und Wissenschafterin ins Rennen um ein Mandat im österreichischen Parlament.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Spitzenkandidatin im Interview

 

Miriam, Du hast ein Medizinstudium abgeschlossen, ein Masterstudium absolviert und steckst mitten in einem PhD Studium. Woher kommt dieses große Interesse für die Medizin?

Eine ausgeprägte Liebe zur Wissenschaft hatte ich schon immer in mir. Die Aufklärung und die Generierung von Wissen sind für mich Grundsäulen meines Menschseins. Evidenzbasierte Erkenntnisse und die Wege dorthin lassen mich über das Wunder Leben jeden Tag staunen. Die Welt zu verstehen und Wege zu finden, vorherzusagen, nachzuvollziehen, zu heilen,... das begeistert mich!

 

Deine Arbeit und Deine zusätzlichen Ausbildungen sind doch sicher mehr als fordernd. Was bewegt Dich, Dich politisch zu engagieren?

Die Begeisterung gegenüber neuer Erkenntnisse macht mich umso mehr betroffen, wenn diese nicht gehört werden. Die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik ist leider immer noch mangelhaft.

 

Wie können wir das verstehen?

Aus dem medizinischen Bereich kann ich sagen, dass es uns vermutlich allen sehr helfen würde, wenn unsere Ableitungen nicht nur in noch mehr Studien enden würden, sondern auch konkret in politische Maßnahmen führen würden. Leider verspüre ich einen schmerzhaften Rückzug aus der Politik von allen Seiten. Die Abkehr der Politik von der Wissenschaft im Sinne von der Abkehr von Fakten ist höchst gefährlich. Faktenbasierte Argumente werden zunehmend unwichtiger, was jedoch dazu führt, dass wir die Menschen in Ratlosigkeit treiben und letztendlich in Angst. Und mit Angst Politik zu machen, ist sehr leicht…

 

Und wie siehst Du hier Deine Rolle, das verändern bzw. die Kommunikation stärken zu können?

Meine Arbeit an der MedUni und im AKH besteht im Wesentlichen aus Übersetzungsleistungen. Ich übersetze meinen PatientInnen ihre Befunde und versuche ihnen näher zu bringen, warum ich dieses und jenes Medikament empfehle. Umgekehrt erarbeite ich mit den Studierenden Fragen und erörtere Studien, mit welchen sie auf das das Rätsel Leben Antworten finden können.

Ich nehme also ständig eine Rolle der Übersetzerin ein. Und ähnlich sehe ich auch ganz klar die Rolle des BSA, und warum ich mich gerne in dieser Organisation engagiere! Der BSA ist die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik, die hier zusammengeschlossenen ExpertInnen leisten Übersetzungsarbeit in beide Richtungen. Diese Kommunikation müssen wir stärken!

 

Kannst Du hier vielleicht ein konkretes oder aktuelles Beispiel nennen?

Gerade im Fall des Klimawandels ist die Nicht- Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik besonders dramatisch. Hier sieht man sehr konkret, dass die Übersetzungsleistung gefehlt hat. Wer keinen Zugang zu wissenschaftlichen Texten hat, der hat bis vor zwei Jahren von der Klimakrise kaum etwas mitbekommen – also ich meine das gesamte Ausmaß, nicht nur den Anstieg des Meeresspiegels.

Hier gegenzusteuern, da wird ein Plastiksackerlverbot nicht reichen. Vor allem aber muss für die Klimakrise eine soziale Lösung gefunden werden. In allen Berichten zur Klimakrise ist Armut ganz vorne zu finden. Deshalb glaube ich auch, dass die SPÖ hier die richtigen Antworten hat und finden wird.

 

Woher kommt Dein Engagement gerade für die Sozialdemokratie?

Ich wurde in den 80er Jahren in Tirol geboren und mit meinen sehr jungen Eltern (19 und 24) nach Wien gezogen, da war ich nur einige Wochen alt. Meine Eltern haben beide studiert und so war das Audimax und das NIG (Anm. Neues Institutsgebäude der Universität Wien) für mich von Anfang an sehr vertraut. Zu Hause standen Diskussionen über Johanna Dohnal, Umweltschutz und Zugang zu Bildung quasi auf der Tagesordnung. Unabhängig von meiner Erziehung war in mir immer schon eine sehr hohe intrinsische Motivation, mich zu engagieren, zu gestalten und mich einzusetzen. Bisher habe ich in jeder Institution, in der ich war, Verantwortung übernommen. Das begann bereits in der Schule als Schulsprecherin, während meines Studiums in der ÖH, als Bezirksrätin und in der Sektion 8 im Alsergrund. Jetzt tue ich es in meinem beruflichen Umfeld als Betriebsrätin, im Senat der MedUni Wien sowie im BSA und den Sozialdemokratischen ÄrztInnen.

 

Als arbeitende junge Frau wird man immer gefragt, ob Familie in diesem Bild auch Platz hat. Leider hängt das „Familienmanagement“ nach wie vor sehr stark an den Frauen.

Ich bin verheiratet, 2012 wurde mein Sohn Nuriel geboren und 2014 meine Tochter Valerie. Ich hatte daher zweimal einen Wiedereinstieg und ich habe noch nie eine anstrengendere Zeit als diese erlebt.

 

Und wie schaffen Du und dein Mann es dennoch, Arbeit, Forschung und Dein politisches Engagement unter einen Hut zu bekommen?

Ich und mein Mann Georg leben Vereinbarkeit – wir versuchen es zumindest. Das heißt, wir versuchen uns gegenseitig beruflichen Erfolg in der Sparte zu ermöglichen, die wir lieben, und gleichzeitig für unsere Kinder, die wir lieben, ausreichend zu sorgen. Ohne sehr viel Hilfe von Omas und Opas, Onkeln und Cousins würde das nicht klappen. „Vereinbarkeitslüge“ ist der Titel eines Buches, das ich im Kopf habe, seit ich Mutter bin. Vereinbarkeit ist sehr anstrengend und Phrasen wie „Zeit für mich“ sind für mich Reizworte geworden. Dennoch weiß ich, dass ich besser aufgestellt bin, als es viele andere sind. Zum einen, weil ich einen Mann habe, der Feminist ist und zum anderen ein familiäres Netzwerk, auf das ich mich 100% verlassen kann und das immer zur Verfügung steht. Darüber hinaus bin ich finanziell gut abgesichert, sodass ich mir bezahlte Hilfe leisten könnte, wenn ich müsste. Trotzdem bleibt jeder Tag eine Herausforderung, und jeden Abend freue ich mich über einen Tag, an dem alles geklappt hat. Es wäre auch eine Lüge zu behaupten, meine Karriere würde darunter nicht leiden. Sowohl mein Mann als auch ich haben beruflich zahlreiche Abstriche machen müssen.

 

Warum glaubst Du, ist das so schwierig?

Es fehlen hier die politischen Lösungen und zwar fortschrittliche! Ich meine also nicht das Muttergehalt, sondern ich meine eine echte Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohnausgleich. Teilzeitarbeit in der jetzigen Form ist die Armutsfalle der Frauen und Familien. Gleichzeitig brauchen wir eine flächendeckende Kinderbetreuung in ganz Österreich - ich kenne zu viele Frauen, die hervorragend ausgebildet sind, und entsprechenden Beschäftigungen nachgehen könnten, wenn die Kindergärten nicht bereits ab Mittag geschlossen wären - das ist inakzeptabel. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Um unseren Kindern eine sichere Zukunft zu bieten, müssen die meisten von uns Geld verdienen, was aber kaum möglich ist, weil es die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür nicht gibt. Die Folge ist, dass wir zunehmend Armut generieren und das ist eigentlich ein Skandal. Meine Mama war über sehr weite Strecken Alleinerzieherin und hat sich mit vier anderen Alleinerzieherinnen zusammengetan, was mir über weite Strecken das Gefühl gegeben hat, in einer Großfamilie aufzuwachsen. Gemeinsamer Urlaub, geteilte Nachmittagsbetreuung, etc. hat sehr gut funktioniert und mir hat nichts gefehlt. Mein Solidaritätsbewusstsein wurde in dieser Zeit nachhaltig geprägt, da es mir völlig selbstverständlich vorgelebt wurde.

 

Jetzt bist Du in der Rolle der „Vorleberin“. Was sollte Deiner Meinung nach selbstverständlich sein?

Ganz eindeutig, dass niemand zurückgelassen wird. Als Ärztin und als Politikerin sind für mich alle Menschen gleich viel wert.

 

Wie möchtest Du das umsetzen?

Anstatt Symptome zu bekämpfen müssen wir die echten Krisen wie die Klimakatastrophe und auch die Armut lösen – auch wenn das bedeutet, dass wir unser Leben und unser Denken ändern müssen. Wir müssen die echten Themen ansprechen und lösen. Fakten müssen wieder das werden was sie sind: die Basis für Entscheidungen. Sie liegen auf dem Tisch und wir wissen, dass die Klimakrise kommt. Wir wissen, dass Armut krank macht und tötet – auch in Österreich. Ich stehe für eine Politik, die diese Fakten wieder in den Mittelpunk des Handelns rückt. Mir ist wichtig, unseren Kindern eine Welt zu hinterlassen, in der sie eine Zukunft haben.

 

 

 

Univ.-Lektorin Dr.in Miriam Hufgard-Leitner, MSc hat ihr Medizinstudium in Wien 2010 abgeschlossen, ebenso ein Masterstudium der Gender Medicine. Seit 2013 ist sie in Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin an der Medizinischen Universität Wien/AKH und arbeitet an ihrem PhD. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der sozialdemokratischen ÄrztInnen und Bundesausschussmitglied des BSA.

 

Link zu den BSA KandidatInnen für die Nationalratswahl

Link zur SPÖ-KandidatInnenliste laut Bundeswahlvorschlag