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Vom Familienmythos und der romantischen Liebe in der Postmoderne

Familienmythos - Foto: BSA

Die Vereinigung Sozialdemokratischer Universitäts- und FachhochschullehrerInnen im BSA konnte Univ.Prof. Dr. Reinhard Sieder vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien am 19. Jänner für einen Vortrag in den Räumlichkeiten des BSA gewinnen, der auch mit einer Präsentation seines letzten Buches zum Thema „Patchworks“ verbunden war.

Univ. Prof. Dr. Andreas Schwarcz, der Vorsitzende der Vereinigung Sozialdemokratischer Universitäts- und FachhochschullehrerInnen, rekapitulierte in seinen einleitenden Worten die weitläufigen Forschungen von Reinhard Sieder, der als sozialempirischer Familienhistoriker ein wichtiger Vertreter einer theoretisch geleiteten Kulturwissenschaft ist. Neben zahlreichen Monographien steht er auch als Herausgeber der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG) für zahlreiche Innovationen im Rahmen historischer Forschung.

In seinem Vortrag analysierte Sieder die Rolle der Familie im modernen Kapitalismus und spannte dabei einen Bogen vom westeuropäischen Adel des 17. Jahrhunderts bis zu den individualisierenden Effekten des Neoliberalismus in der Gegenwart. Dabei betonte er, dass der Glaube an die romantische Liebe auch heute noch in ähnlicher Weise eine Sinnlücke füllt, wie religiöse, fundamentalistische und spirituelle Bewegungen. Er dekonstruierte dabei den neuzeitlichen Familienmythos, der in der Geschichte des Westens eine eminente Rolle gespielt hat und analysierte die sich wandelnde historische Rolle des Patriarchats im Verhältnis zur Ordnung der Geschlechter.

Die Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Forschungen zur Familie wurden mit Exkursen zu philosophischen und literarischen Texten verknüpft. So arbeitete Sieder anschaulich heraus, dass die Postmoderne vor allem mit einer ironischen Haltung verbunden ist, die auch den Liebesdiskurs bestimmt. Dabei sind vor allem eine erhöhte Anzahl, Pluralität und Vielfalt der legitimen Liebes- und Lebensformen ein Kennzeichen der „postmodernen“ Gegenwart. Die traditionelle Kernfamilie wird mithin von neuen Familienformen ersetzt, die auch die Rolle des Subjekts nachdrücklich verändern. „Patchworks“ sind dabei nicht als Verfall zu werten, sondern stellen neue Beziehungsformen dar, auf welche die Gesellschaft sich einstellen muss.

Letzte Aktualisierung am: 21. Januar 2010

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